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Die Bahnhofstrasse im Wandel

Eine Ausstellung zur Einweihungsfeier der neu sanierten und aufgewerteten Bahnhofstrasse am 30. August 2025.

© 2025, Texte, Gestaltung und Realisation: Michael Schmid, schmizz communicate 360 GmbH, Schaffhausen.
Mit freundlicher Unterstützung des Stadtarchivs Schaffhausen.

Inhaltsverzeichnis

Die Ursprünge der Bahnhofstrasse: Zwischen Stadtmauer und Aufbruch

Das Bild zeigt eine schwarz-weisse Handzeichnung der Bahnhofstrasse Schaffhausen von <time datetime="1866">1866</time> mit dem ersten Bahnhof der Schweizerischen Nordostbahn. Eine Dampflokomotive mit 5 Personenwagen fährt aus dem Bahnhof ab. Bahnarbeiter be- und entladen Güter. Auf der Bahnhofstrasse sind eine Pferdekutsche und ein Pferdefuhrwerk unterwegs. Daneben reihen sich die herrschaftlichen Häuser der Altstadt von Schaffhausen mit ihren Erkern auf. Gut sichtbar sind das Obertor und das Schwabentor weiter hinten. Die Zeichnung ist perspektivisch aufgebaut, und auch wenn diese etwas aus dem Massstab fällt, ist das Bild erstaunlich detailgetreu.
Zeichnung der Bahnhofstrasse Schaffhausen von mit dem ersten Bahnhof der Schweizerischen Nordostbahn. © Stadtarchiv Schaffhausen

Um war Schaffhausen geprägt von der mittelalterlichen Stadtstruktur. Das Leben und der Verkehr konzentrierten sich hauptsächlich auf die engen Gassen der Altstadt. Stadtmauern und Tore bestimmten das städtische Erscheinungsbild. An der Stelle der heutigen Bahnhofstrasse verlief ein Schutz- und Stadtgraben.

Die politischen Umwälzungen nach der Helvetik und die von Napoleon eingeführte Mediationsverfassung führten zu entscheidenden Veränderungen: Die Kantone erhielten ihre Eigenständigkeit zurück. Die Macht der Zünfte schwand, Mauern wurden abgetragen, die Stadt öffnete sich gesellschaftlich und räumlich.

Mit dem Anschluss an die Eisenbahn entstanden neue Verkehrsachsen. Die Schwert- und Bogenstrasse wurden vom Stadtinneren zum Bahnhof durchgebrochen – ein sichtbares Zeichen für den Wandel von der mittelalterlichen zur modernen Stadt.

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Wirtschaftlicher Aufschwung und aufblühender Tourismus

Das Bild zeigt eine detailreich gezeichnete Postkarte der Bahnhofstrasse um ca. <time datetime="1910">1910</time>. Die Postkarte ist in Schwarz-Weiss gedruckt und hat einen Sepia-Effekt, sie sieht etwas vergilbt aus. In der Ecke Bahnhofstrasse-Schwertstrasse steht das stolze Hotel «Rheinischer Hof», welcher <time datetime="1870">1870</time>/<time datetime="1871">71</time> erbaut wurde. Auf der Bahnhofstrasse sieht man Tramgeleise und Karrenspuren der Pferdefuhrwerke. Die Bahnhofstrasse wird von Bäumchen in Pflanztöpfen gesäumt, es gibt Geschäfte mit Sonnenstoren und es sind Menschen zu Fuss unterwegs. Die Hausfassaden sowohl an der Bahnhofstrasse als auch an der Schwertstrasse sind sehr detailreich gestaltet, im Stil des Spätklassizismus.
Eines von sechs Hotels an der Bahnhofstrasse: Der «Rheinische Hof» wurde / erbaut. Die Bahnhofstrasse entwickelte sich zu einer repräsentativen Adresse und einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt der Stadt. © Stadtarchiv Schaffhausen

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung durch die Industrialisierung wuchs die Stadt über ihre bisherigen Grenzen hinaus. Ein entscheidender Schritt war die Anbindung Schaffhausens an das Eisenbahnnetz .

Ab etwa setzte durch die Industrialisierung ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Mit der Anbindung an das Eisenbahnnetz wurde auf dem Gelände der Bleiche das erste provisorische Stations­gebäude errichtet, das 1869 durch den heutigen Bahnhof ersetzt wurde.

Auch der Bau des Moserdamms als erstes grosses Schweizer Wasserkraftwerk war ein Motor für Schaffhausens Industrialisierung. Die Drahtseiltransmis­sion verteilte die mechanische Energie in die ganze Stadt und trug massgeblich zum Aufschwung der Metall-, Uhren- und Textilindustrie in Schaffhausen bei.

Entlang der damals noch intakten Stadtmauer entstand die Bahnhofstrasse als neue Achse. Es entstanden repräsentative Gebäude wie das Post- und Telegraphengebäude ( ) und die Kreiszolldirektion ( ).

Der Anschluss Schaffhausens an das Bahnnetz führte zudem zu einem Aufschwung des Tourismus und der Hotel­lerie. Gleich sechs Hotels eröffne­ten an der neuen Bahnhofstrasse und verliehen der Strasse einen exklusiven, städtischen Charakter. Zu den bekanntesten Häusern zählten der Rheinische Hof (erbaut /), das Hotel Müller (erbaut /) und das Hotel Bahnhof (erbaut ).

Mit dieser Entwicklung avancierte die Bahnhofstrasse zu einer repräsentativen Adresse und einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt der Stadt Schaffhausen.

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Vom Tram zum Trolleybus

Eines der Hauptbilder der Ausstellung, das sogar einen Einfluss auf die heutige Gestaltung der Bahnhofstrasse hatte. Es zeigt die Bahnhofstrasse um <time datetime="1903">1903</time>. Dominant im Bild ist das Post- und Telegraphengebäude mit seinem alles überragenden Türmchen. Kleine Menschengruppen stehen in der Mitte der Bahnhofstrasse oder flanieren ihr entlang. Im Hintergrund sind zwei Tramwagen der neuen Strassenbahn nach Neuhausen am Rheinfall zu sehen. Die Bahnhofstrasse ist unbefestigt, im weichen Belag haben Pferdefuhrwerke ihre Karrenspuren hinterlassen. Ebendiese sind in der heutigen Gestaltung der Bahnhofstrasse wieder aufgenommen worden. In der Betonfahrbahn wurden «Karrenspurren» eingefräst – als Hommage an die Anfänge der Bahnhofstrasse.
prägten die neue Strassenbahn und Pferdefuhrwerke, die im weichen Belag ihre Karrenspuren hinterliessen, das Bild der Bahnhofstrasse. © Archiv Koch, Stadtarchiv Schaffhausen

Die Eröffnung der Strassenbahn nach Neuhausen am Rheinfall im Jahr und der Überlandbahn nach Schleitheim waren Meilensteine in Schaffhausens Verkehrsgeschichte. Während 65 Jahren prägten die Trams das Bild des öffentlichen Verkehrs in der Region.

wurden Strassenbahnverbindungen nach Neuhausen am Rheinfall und in die Breite eröffnet; folgte die Strassenbahn Schaffhausen–Schleitheim (StSS).

Die meterspurige elektrische Überland­bahn startete auf dem Bahnhofplatz in Schaffhausen und benutzte bis Neuhausen Rheinhof die städtischen Tramgleise. Danach führte die Strecke über Beringen, Löhningen, Siblingen und Schleitheim bis an die deutsche Grenze bei Oberwiesen-Stühlingen.

Die Strassenbahn Schaffhausen–Schleitheim entwickelte sich zu einer Lebensader für die ländlichen Gemeinden. Sie erleichterte den Zugang zur Stadt und förderte Handel und Austausch. Die Strassenbahn war ein Symbol für die technische Aufbruchstimmung jener Zeit.

Der Betrieb wurde zunehmend durch den wachsenden Individualverkehr und den schlechten Zustand der Gleise beeinträchtigt. wurde die Strassenbahn endgültig eingestellt und durch Trolleybusse ersetzt.

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Bahnhof im Ausnahmezustand: Kriegsjahre und Bomben

<time datetime="1917">1917</time>: Freiwillige des Heimschaffungsdienstes empfangen auf der Bahnhofstrasse französische und belgische Internierte. Die Ankommenden werden  versorgt und auf die Heimreise vorbereitet – eine beeindruckende Hilfsaktion der Schaffhauser Bevölkerung inmitten eigener Not.
: Freiwillige des Heimschaffungsdienstes empfangen auf der Bahnhofstrasse französische und belgische Internierte. Die Ankommenden werden versorgt und auf die Heimreise vorbereitet – eine beeindruckende Hilfsaktion der Schaffhauser Bevölkerung inmitten eigener Not. © Stadtarchiv Schaffhausen

Als Folge des Ersten Weltkriegs trafen von bis rund 300’000 französische und belgische Internierte, Evakuierte und Kriegsgefangene am Schaffhauser Bahnhof ein, um über die Schweiz die Rückreise in ihre Heimat anzutreten. In Schaffhausen wurden sie unter grossem und selbstlosem Einsatz der lokalen Bevölkerung empfangen, gepflegt, mit Nahrungsmitteln und Medikamenten versorgt und schliesslich – mit kleinen Gaben beschenkt – auf ihre Heimreise verabschiedet.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Schaffhausen am irrtümlich bombardiert. Eine Sprengbombe traf den Südflügel des Bahnhofs und zerstörte ihn komplett. 18 Menschen kamen dabei ums Leben. Der Wiederaufbau des zerstörten Gebäudeteils erfolgte nach den Plänen des Schaffhauser Architekten Walter Henne, der auch den Wiederaufbau vieler weiterer Gebäude in der Stadt nach dem Bombenangriff prägte.

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Baukultur im Wandel: Architektur der Bahnhofstrasse

Das Gebäude der Schaffhauser Kantonal­bank um . Es wurde 1963 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. © Stadtarchiv Schaffhausen

Die Architektur der Schaffhauser Bahnhofstrasse spiegelt die bewegte Stadtgeschichte wider. Heute vereint sie verschiedene Epochen der Stadtentwicklung mit einer bemerkenswerten architektonischen Vielfalt.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts dominierten elegante Gründerzeitbauten und repräsentative Geschäftshäuser das Bild der Bahnhofstrasse Schaffhausen, etwa das Post- und Telegraphengebäude, das Gebäude der Kreiszolldirektion oder jenes der Schaffhauser Kantonalbank.

Ab den er-Jahren setzte sich ein neuer Baustil durch: Viele der alten Häuser wurden abgerissen und durch funktionale Betonbauten ersetzt, die sich am Zeitgeist der Moderne orientierten. Ein markantes Beispiel ist die Schaffhauser Kantonalbank, deren Neubau architektur­geschichtlich als typischer Vertreter jener Umbruchphase gilt.

Zahlreiche Geschäftsbauten der er-Jahre, damals als innovativ angesehen, wirken aus heutiger Sicht nüchtern und oft wenig einladend.

Seither verstärkt sich das Bewusstsein für Erhalt und Pflege historischer Substanz. Dadurch bleibt das Stadtbild mit seinen historischen Gebäuden und Plätzen auch für kommende Generationen sichtbar und erlebbar.

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Motorisierte Expansion: Die Bahnhofstrasse der 50er bis 70er

Noch <time datetime="1986">1986</time> ist die Bahnhofstrasse vor allem eine Auto-Strasse. Vermehrt werden Forderungen laut, die Bahnhofstrasse aufzuwerten und  attraktiver zu gestalten.
Noch ist die Bahnhofstrasse vor allem eine Auto-Strasse. Vermehrt werden Forderungen laut, die Bahnhofstrasse aufzuwerten und attraktiver zu gestalten. © Hochbauamt / Stadtplanung, Stadtarchiv Schaffhausen

In den er- bis er-Jahren stand das Auto im Mittelpunkt der städtischen Entwicklung. Die Bahnhofstrasse wurde zur breiten Verkehrsachse umgestaltet. Parkplätze, Fahrbahnen und Bushaltestellen prägten das Bild.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der motorisierte Verkehr deutlich zu. Die Bahnhofstrasse wandelte sich von einer Tramachse zu einer stark frequentierten Strasse mit Bus- und Autoverkehr. Gleichzeitig wurde sie zum wichtigen Einkaufs- und Flanierort. Neue Geschäfte, Cafés und Dienstleister siedelten sich an. Die städtebauliche Entwicklung spiegelte den wirtschaftlichen Aufschwung wider.

In den er-Jahren wurde die Bahnhof­strasse gezielt als zentrale Verkehrsachse für den motorisierten Verkehr ausgebaut.

Breite Fahrbahnen, Parkplätze und Bushaltestellen dominierten das Strassenbild. In den 1970er-Jahren stand Funktio­nalität im Vordergrund. Urbanität wurde mit Autogerechtheit gleichgesetzt, was zu mehr Verkehr und weniger Aufenthaltsqualität führte.

Ab den er-Jahren wurden politische Vorstösse lanciert, um die Bahnhofstrasse baulich aufzuwerten und für die Öffentlichkeit zugänglicher und attraktiver zu gestalten.

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Verkehrszeitenwende: Mobilität für alle statt Individualverkehr

Umzug vom «Bushof» an die Bahnhofstrasse:  Das <time datetime="2004">2004</time> erbaute Regionalbuszentrum bringt die Regionalbusse an die Bahnhofstrasse. Umsteigen wird bequemer und schneller.
Umzug vom «Bushof» an die Bahnhofstrasse: Das erbaute Regionalbuszentrum bringt die Regionalbusse an die Bahnhofstrasse. Umsteigen wird bequemer und schneller. © Heinz Hasler / Goetz Partner Architekten AG, Wilchingen

Mit der Sperrung für den Autoverkehr ab endete das Zeitalter der «Auto-Bahnhofstrasse». Der Bau des Regionalbuszentrums und der Velostation im Jahr machten sie zum Dreh- und Angelpunkt für den ÖV und Veloverkehr.

Ende der er-Jahre wurde an der Bahnhofstrasse ein grosser Wandel eingeläutet: Die Strasse wurde für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.

Auslöser für das Umdenken in Bevölke­rung und Politik waren die zunehmende Verkehrsüberlastung, Lärm, knapper Raum und der Wunsch nach mehr Lebensqualität, Sicherheit und Erreichbarkeit.

Der Bau des Regionalbuszentrums im Jahr war ein Meilenstein: Städtische und regionale Buslinien fahren seither am selben Ort ab, Umsteigen geht einfach und schnell. Parallel dazu entstand eine moderne Velostation mit 250 Abstellplätzen, Lademöglichkeiten für E-Bikes und direktem Bahnzugang.

Heute ist die Bahnhofstrasse Vorbild für nachhaltige und vernetzte urbane Mobilität.

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Von Karrenspuren zu Schnellladestationen – Die Bahnhofstrasse ist gerüstet für die Zukunft

Die Bahnhofstrasse als moderner Boulevard: Elektrobusse, Begrünung und die grösste Schnellladestation Europas stehen für nachhaltige Mobilität. Als Hommage an die Anfänge der Bahnhofstrasse – als hier noch Pferdefuhrwerke verkehrten – sind in die Betonfahrbahn «Karrenspuren» eingefräst.
Die Bahnhofstrasse als moderner Boulevard: Elektrobusse, Begrünung und die grösste Schnellladestation Europas stehen für nachhaltige Mobilität. Als Hommage an die Anfänge der Bahnhofstrasse – als hier noch Pferdefuhrwerke verkehrten – sind in die Betonfahrbahn «Karrenspuren» eingefräst. © michaelschmid.photo

Die Bahnhofstrasse wurde zwischen und in zwei Etappen saniert und aufgewertet. In der ersten Etappe wurden Werkleitungen erneuert und die Ladeinfrastruktur für die Elektrobusse erstellt – die bislang grösste Schnell­ladestation Europas mit 7200 kW Leistung. Die Arbeiten zur Barrierefreiheit und Aufwertung starteten im Mai und wurden im August fertiggestellt.

Nun präsentiert sich die Bahnhofstrasse als moderner Ankunfts-, Umsteige- und Begegnungsort. Erhöhte Haltekanten ermöglichen einen barrierefreien Einstieg. Eine grosszügige Gestaltung mit breiterem Trottoir, schattenspendenden Bäumen, Pflanztrögen mit Sitzgelegenheiten und begrünten Haltestellendächern schafft eine einladende Atmosphäre und trägt zur Biodiversität bei.

Was es mit den markanten Linien auf der Betonfahrbahn auf sich hat? Die Antwort mag überraschen: sie sind eine Hommage an die historischen Karrenspuren, die im 19. Jahrhundert das Bild der Bahnhofstrasse prägten, als Pferdefuhrwerke ihre Spuren im weichen Boden hinterliessen. Damit schliesst sich ein Kreis und die Geschichte ist sichtbar im Stadtbild verankert.

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